Ich habe sie nur einmal getroffen, nur einmal gerochen. Und doch hat es alles verändert. Eine Begegnung, deren Nachhall sich weigert zu verklingen. Auf einer Zugfahrt saß ich neben ihr, atmete unwillkürlich ihren Duft ein.
Schwarzer Trenchcoat. Schwarzer Longbob. Saphirblaue Augen. Blutrote Lippen.
Ich war fast zu verzaubert, um zu sprechen. Dennoch sprach ich. An ihre Stimme erinnere ich mich, aber nicht mehr an ihre Worte. Alles, was bleibt, ist ihr Duft.
Sie roch wie ein Hauch aus Elysiens Dämmerung entronnen. Unsichtbar, aber unverkennbar veredelte der Duft ihre Erscheinung und umschmeichelte ihr ganzes Wesen. Manchmal glaube ich, dass erst die Wärme ihrer Haut und der zarte Eigengeruch ihrer Haare dem Parfum jene olfaktorische Brillanz schenkten, die mich so gefangen nahm. Jedes Molekül, das ihre Aura durchwirkte, ließ mich tiefer in ihre Gegenwart versinken. Ich wollte sie nie besitzen. Alles, was ich wollte, war in diesem Duft zu schwelgen.
Die Ouvertüre: ein Zitrusakkord aus Bergamotte, Limette und Mandarine, so leicht wie ihr verhaltenes Lächeln, so klar wie ein Kristall, so strahlend wie das Funkeln in ihren Augen, in denen sich die Lampe des Zuges spiegelte gleich Sonnenstrahlen im Morgentau. Rosa Pfeffer setzte scharfe Kontrapunkte, ein heimliches Knistern zwischen uns. Das Veilchenblatt begleitete sie, grün und pudrig, wie eine Verheißung, die man noch nicht versteht, ein Übergang ins Reich der Blumen.
Das Herz war ein Pas de Deux von Jasmin und Tuberose, die umeinander wirbelten wie zwei Liebende, umschmeichelt vom Atem der Orangenblüte, die einen sanften Widerhall von Zitrusfrische brachte. Die Tuberose, opulent wie ihre Anmut; der Jasmin, elegant wie ihr Stil. Dieses florale Duett aus Leichtigkeit und Leidenschaft war beinahe so hinreißend wie ihr Anblick, als triebe ihre Schönheit selbst den Duft zur vollen Blüte. Das Bühnenbild war aus Ambra gefertigt, die wie ein goldener Sonnenaufgang die Szenerie erhellte, unaufdringlich und doch alles umfassend, sodass die Blüten in jenem Glanz ihre wahre Gestalt fanden.
Die balsamische Bühne für den Tanz war erbaut aus Sandelholz und ein wenig Oud. Darüber wehte ein süßlicher Hauch reifer Vanilleschoten, so verlockend, als sängen jene Winde eine Sirenenmelodie. Eine Basis weich und warm wie ihre Haut, tief wie die Schatten ihrer Gedanken, geheimnisvoll wie ihr Wesen.
Ich atmete nicht mehr, ich trank aus dem Meer ihres Wohlgeruchs: ein Nektar, der den Durst nicht stillt, sondern unstillbar mehrt, jeder Tropfen ein süßes Gift, ein brennendes Flehen nach mehr, das mich tiefer in eine unsichtbare Umarmung zog. Ich war verloren. Süchtig. Nach ihrem Liebreiz. Nach ihrem Duft. Nach der Sehnsucht selbst.
Die Komponenten konkurrierten nicht miteinander, sie wurden auch nicht etwa voneinander ergänzt oder abgerundet – nein, sie umspielten, verschlangen, überfluteten einander, bis sie in der wechselseitigen Durchdringung ihre Vollendung fanden, verschmolzen zu einem einzigartigen Zusammenspiel: so kunstvoll wie eine Symphonie, die sich wogend und steigend in meinem Innern auftürmte, sich in rauschenden Kaskaden entlud und wieder in samtene Ruhe zurückfloss; zugleich so sinnlich wie ein Liebesakt, in dem sich die Duftnoten einander zunächst voll zärtlicher Zurückhaltung berührten, dann einander intensiv umfingen, um schließlich im aromatischen Höhepunkt eins zu werden.
Der Duftmoment war von paradoxer Zeitlichkeit: getragen von der Poesie eines ewigen Gedichts und der intimen Flüchtigkeit eines Atemzugs, unwiederbringlich vergangen und gleichzeitig für immer gegenwärtig.
Die Sillage dieser Begegnung ist nie verflogen. Noch immer durchweht ihr Odem meine Tage: ein mystischer Hymnus aus Jasmin, Tuberose und Oud. Manchmal glaube ich, dass nicht sie es war, die ich liebte, sondern der Duft selbst: ein Wesen ohne Gestalt, das ganz Wirkung ist; eine unergründliche Präsenz; ein subtiler Schleier, der sich über meine ganze Welt gelegt hat. Er verfolgt mich bis heute wie ein Atem aus einer anderen Zeit, der leise von ihrer Schönheit flüstert.
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